|
Die Völklinger Hütte

- in ihren besten Jahren, Anfang der 70er Jahre, hielt sie in Völklingen Arbeit bereit
für über 16000 Beschäftigte - wurde 1986 in Teilen stillgelegt. 1600 Arbeiter und
Angestellte schlossen ihre Schreibtische und Spinde, verließen ihre Werkbänke. Das
Staatliche Konservatoramt des Saarlandes stellte das Hochofenensemble, also die sechs
Hochöfen samt Winderhitzern, Schrägaufzug und Trockengasreinigung, unter Denkmalschutz.
Darüber hinaus Gasgebläsehalle, Kokerei, Kohletürme, Sinteranlage, Wasserturm und
Pumpenhaus. Das Land trat mit der Firma Saarstahl in Grund-stücksverhandlungen. 24 Hektar von
insgesamt 60 Hektar Industriefläche wechselten im April 1991 den Besitzer.

Seit 1986 liegen also 40000 Tonnen "Schrott" mitten in der Stadt, die sich
immer noch mit der Strukturkrise quält. Der Bereich der stillgelegten Roheisenphase gehört
zum bevorzugten Gewerbegebiet der Mittelstadt. Der Landesdenkmalrat wie auch das
saarländische Konservatoramt, die schon Ende der 70er Jahre für den Erhalt der ebenfalls
brachgefallenen Teile der Neunkircher Hütte plädiert hatten und damit gescheitert waren,
machten sich in Völklingen für ein Industriemuseum stark: Der Landesdenkmalrat entwickelte
die Idee eines dezentralen Historischen Landesmuseums mit den Standorten Brebach, Burbach,
Neunkirchen und Völklingen. lm Mai 1991 wurde in Neunkirchen sein erster Teilabschnitt, der
"Hüttenweg", eingerichtet. Doch für Völklingen gibt es bis heute kein
entscheidungsreifes Konzept. Die Meinungen divergieren. So sehen etwa die einen im
denkmalgeschützten Ensemble ein einzigartiges Monument der Technik-, Wirtschafts- und
Sozialgeschichte. Sie wollen ein Museum der Arbeit, der Eisenverhüttung, einrichten, das
erste dieser Art in Westeuropa. Für die anderen sind die funktionslosen Maschinen- und
Gebäudeteile ein unnötiges Mahnmal des Niedergangs: geldverschlingend und
zukunftsverhindernd. Totalabriß? Teilabriß? Der Koloß wartet.
|
 |

 |