|

Die Kokerei zersetzt sich selbst von innen. Früher waren die Instandhalter unterwegs. Heute
würden nach Meinung des ehemaligen Meisters Manfred Görgen, der kurz nach der Schließung
bereits mit einer AB-Gruppe aus Ex-Saarstahl-Arbeitern für erste Wartungen sorgte, drei bis
vier Mann genügen, um das Museum besenrein und sicher zu halten. Kann dieses riesige Museum
der Arbeit ohne Vitrinen nicht doch eine aufregende, attraktive Vorstellung sein auch für
viele? Ist nicht tatsächlich denkbar -vorausgesetzt, es kommt zu einem möglichst umfassenden
Erhalt -, daß hier ein touristischer Anziehungspunkt entsteht? Denn es ist unwahrscheinlich,
daß sich demnächst auswärtige Massen zum eher bescheidenen Neunkircher
"Hüttenpfad" wälzen werden.

Wie es aussieht, hat man den Neunkircher Hüttenweg hauptsächlich für die Neunkircher
Bürger konzipiert. Klein und fein - ein Trost. Daß man mit ihm kaum einen Touristen mehr ins
Saarland locken wird, das liegt nicht zuletzt auch an seiner eher bescheidenen Größe. Daraus
ergeben sich Schlußfolgerungen für Völklingen. Wenn man nun also tatsächlich in
Völklingen ein Museum errichten will, sollte man, was die Dimension angeht, einen deutlichen
Kontrapunkt zu Neunkirchen setzen. Ein verstümmeltes Miniatur-Ensemble kommt als Werbefaktor
kaum In Frage. Wenn überhaupt, dann wird sicher nur ein möglichst gigantisches Denkmal
überregional von sich reden machen. Und das dann auch mit Fug und Recht: Wo sonst in
Westeuropa könnte man eine derartig komplette Industrie-Stadt besichtigen?

Überall auf der Welt kostet Geschichte Geld. Meist mehr, als Wirtschaftsstrategen über
Umwegrentabilität wieder in die Kassen zurückrechnen. Doch fernab jeder
Finanzierungsdiskussion gibt es auch noch das wichtige Wort vom "Grundrecht auf
Geschichte". Wie alle Grundrechte erfüllt es sich erst durch und mit dem "mündigen
Bürger". Und der nimmt seine Geschichte selbst in die Hand.

Das stößt sich nicht mit dem Begriff der "aufgeklärten Denkmalpflege" von Georg
Mörsch. Der besagt, daß wir aufhören sollen, die Denkmäler nach unserem Geschichtsbild zu
formen. Vielmehr sollen wir umgekehrt "unser Geschichtsbild durch die Denkmäler
aufklären lassen". Dazu sind wir aber nur imstande, wenn wir mit ihnen in Kontakt treten
dürfen.

Cathrin Elss
|
 |

 |